Boulevard de Pérolles 30
1700 Fribourg
Tel: 026/321 49 45
griselidis@frisante.ch
 
 

historisch

10 Jahre! Seit einem Jahrzehnt bietet das Team Grisélidis den Sexarbeiterinnen vor Ort eine Begleitung. Diese erhalten so Informationen über die Risikoprävention im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit, Zugang zu sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen sowie Unterstützung für ihren Lebensplan.


Kurzer Rückblick! Das Projekt Grisélidis wurde von einer Gruppe Freiburger Frauen gegründet, um das Fehlen spezifischer Strukturen für Sexarbeiterinnen im Kanton auszugleichen.


8. März 2007! Das Projekt beginnt bei den Sexarbeiterinnen auf der Strasse an der Alten Brunnengasse in Freiburg. Bereits im ersten Jahr ist der Bus einmal pro Woche am Arbeitsort der Frauen präsent und zwei Nachmittage pro Woche wird eine Permanence gewährleistet. Der Bus empfängt etwas mehr als dreissig Frauen pro Abend, grossmehrheitlich Migrantinnen und Frauen ohne Aufenthaltsbewilligung. Die Permanence in den Räumlichkeiten des Vereins ihrerseits entwickelt sich langsam. Aus diesen Erfahrungen heraus wird ein Angebot für drogenabhängige Personen im Tremplin eingeführt, um diese auf Fragen im Zusammenhang mit Sexualität zu sensibilisieren.


2007–2017: angebotene Leistungen!


Der Bus! Der Bus steht jeden Donnerstagabend während der Arbeitszeiten der Frauen an der Alten Brunnengasse, was eine aufsuchende Sozialarbeit ermöglicht und die Zugänglichkeit unserer Struktur gewährleistet. Die Sexarbeiterinnen werden empfangen, mit Verpflegung von religiösen Gemeinschaften des Kantons versorgt und erhalten Präventionsmaterial. Sie erhalten auch Informationen über unser Projekt, ihre Rechte, die medizinischen Einrichtungen und gesetzlichen Strukturen des Kantons, HIV/Aids und sexuell übertragbare Infektionen, die Arbeitsbedingungen und die Risiken bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Die Frauen können auch Fragen stellen oder einfach von ihren Sorgen erzählen. Das Team bestimmt monatlich wechselnde Präventionsthemen, die im Bus vorgestellt werden und unter anderem Schwangerschaftsverhütung im Notfall, den HIV-Test, das Überziehen eines Kondoms, Gewalt und Frauenhandel ansprechen. Ab 2009 werden die bis zu diesem Zeitpunkt mehrheitlich illegalen Sexarbeiterinnen von Frauen aus der Europäischen Union abgelöst, die dank den bilateralen Verträgen eine Arbeitsgenehmigung haben.


Besuche im Tremplin! Einmal pro Monat gehen zwei Mitarbeiterinnen in die Anlaufstelle Le Seuil im Tremplin. Da Sexarbeit in diesen Kreisen ein Tabu ist, werden die drogenabhängigen Personen über Themen wie Gefühls- und Sexualleben und Fortpflanzung angesprochen. Die Personen stellen Fragen, erhalten Informations- und Präventionsmaterial. Es wird ein Ansatz im Hinblick auf die Basisgesundheitsversorgung verfolgt, bei der die Person als Akteurin ihrer Gesundheit in den Mittelpunkt gestellt wird.


Die soziale Permanence! Zwei Nachmittage pro Woche können die Sexarbeiterinnen ohne Voranmeldung in unsere soziale Permanence in den Büros an der Alten Brunnengasse kommen. Die Permanence an der Alten Brunnengasse wurde eingerichtet, um näher bei den Frauen, die auf der Strasse arbeiten, zu sein. Dies erlaubt auch, in ihre Welt einzutauchen. Die angesprochenen Probleme hängen von ihren Bedürfnissen und Sorgen ab. Die Sexarbeiterinnen bitten uns aber mehrheitlich um Unterstützung bei administrativen Angelegenheiten wie der Erlangung eines Aufenthaltsstatus oder einer Arbeitsbewilligung (B-Bewilligung, Anmeldung 90 Tage).


Massagesalons! Ab 2008 starten die Besuche der Massagesalons. Spontan oder auf telefonische Verabredung gehen die Mitarbeiterinnen von Grisélidis einen Nachmittag pro Woche in die Salons, um den Sexarbeiterinnen aus dem ganzen Kanton zu begegnen. Da sie immer prekärere Aufenthaltstitel haben, werden die Frauen der Salons mobiler und wechseln häufig Arbeitsort. Diese Mobilität erschwert das Verbreiten von Informationen und die Präventionsarbeit.


2011: Inkrafttreten des Gesetzes über die Ausübung der Prostitution! Grisélidis muss sich an die Änderungen durch dieses Gesetz anpassen, das im März 2010 vom Grossen Rat verabschiedet wird. Die Informationen über die Meldepflicht und die notwendige Bewilligung, um einen Massagesalon zu führen, werden verbreitet, um die Sexarbeiterinnen auf die neuen Richtlinien vorzubereiten. Mit Inkrafttreten dieses Gesetzes verändert sich das Gesicht der Strassenprostitution. Die illegalen Sexarbeiterinnen verlassen diese Orte und überlassen sie den europäischen Sexarbeiterinnen. Dadurch mussten sich die Mitarbeiterinnen von Grisélidis Kenntnisse über das Personenfreizügigkeitsabkommen aneignen und ihre Einsätze an die neuen Bedürfnisse anpassen (Aufenthaltsstatus, Sozialversicherungen...).


Heute! Nach 10-jährigem Bestehen hat das Programm Grisélidis seine Berechtigung unter Beweis gestellt und sich als unumgänglicher Partner im Bereich der Prostitution etabliert. Die intensive Nutzung unserer Angebote zeigt, wie stichhaltig unsere Tätigkeiten sind: Wir empfangen durchschnittlich 2'110 Personen pro Jahr. Einziger Wermutstropfen ist, dass die finanzielle Stabilität noch langfristig gesichert werden muss, trotz der Unterstützung durch Sicherheits- und Justizdirektion, Invalidenfonds, Loterie Romande, Bundesamt für Polizei und Aids-Hilfe Schweiz.